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Selma Lagerlöf

 

 

Liljecronas Heimat

 

 

Roman

 

Übersetzung aus dem Schwedischen
von Pauline Klaiber

 

 

 

Deutsche Buch-Gemeinschaft

G. m. b. H.

Berlin

 

 

Copyright 1921 by Albert Langen, Munich.

 


Inhalt

 


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5Der Sturm

Am zweiten Weihnachtsfeiertag im Jahre 1800brauste ein Sturm über den Lövseer Bezirk inVärmland hin, daß es zum Erbarmen war. Man konntenichts anderes mehr denken, als daß alles, was auf derErde war, mit Stumpf und Stiel ausgerottet werdensollte.

Kommt nun nicht und sagt, es hätten gewiß früherschon und auch später ebenso heftige Stürme gewütet, undjedenfalls sagt das nicht zu einem alten Bewohner desLövseer Bezirks, denn die haben von ihrer Kindheit animmer gehört, daß man einen ähnlichen Sturm überhauptnicht mehr erleben könnte.

Heute noch können sie alle die Zäune aufzählen, dieumgeweht, und alle die Strohdächer, die weggefegt wurden,sowie alle die eingestürzten Viehställe, unter derenDachstühlen dann das Vieh mehrere Tage lang begrabenlag. Auch können sie dir alle die Orte zeigen, wo Feuerausbrach, dessen man in dem Sturm nicht Herr werdenkonnte, bis das ganze Dorf abgebrannt war. Und sie sindauch auf allen den Höhen und Berggipfeln gewesen, woBaum an Baum herausgerissen am Boden lag, daß esdort seither gerade wie abrasiert aussieht.

6Nun weiß man ja wohl, daß die Leute zu sagenpflegen: Das sei ein böser Wind, der nicht wenigstensirgend jemand etwas Gutes bringe. Aber daß dieses auchvon dem Sturm am zweiten Weihnachtsfeiertag geltenkönnte, das hätte doch wirklich kein Mensch gedacht, denner richtete ja nur ein Unglück ums andere an.

Wer aber von allen Menschenkindern am wenigstenglauben wollte, daß dieser Sturm vielleicht auch etwasGutes bringen könnte, war doch wohl die »Kleine« vomKoltorpet. Nein, sie hätte es nun und nimmer geglaubt,als sie am Morgen des zweiten Weihnachtsfeiertags dortam Waldrand stand und sah, wie Schnee, Asche, Kehrichtund alles, was der Wind mit fortriß, über das Tal zuihren Füßen wie ein Rauch hinwogte.

Niemals, in ihrem ganzen Leben nicht, und sie wardoch schon dreizehn Jahre alt und ging ins vierzehnte,war ein solches Mißgeschick über die »Kleine« hereingebrochen.

Sonst gelang es ihr eigentlich immer, bei allem, wasihr widerfuhr, mochte es noch so schwer sein, ihre guteLaune aufrechtzuerhalten; dies aber war fast mehr, alssie ertragen konnte.

Ja, wahrhaftig, beinahe wären ihr die Tränen in diegroßen glänzende

...

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